Hallo und herzlich willkommen zu Radio Wonderboy. Heute möchte ich darüber sprechen, warum Drogen für mich immer langweilig waren und nie einen Reiz dargestellt haben.
Vorab möchte ich dir aber einen kleinen Hinweis geben: Sollte das ein sensibles Thema für dich sein, solltest du dir diese Folge vielleicht besser nicht anhören — oder du solltest dir bei einschlägigen Beratungsstellen oder im Internet Hilfe suchen und dich beraten lassen.
Worum es mir in dieser Folge geht, ist auch etwas anderes. Ich habe mich viel mit Künstlerbiografien beschäftigt und auch Gespräche mit Menschen geführt, und habe dabei dieses Thema Drogen und Drogenrausch immer mal wieder betrachtet und besprochen. Was mich dabei immer interessiert hat, war: Was erleben die Menschen in diesen Rauschzuständen?
Häufig werden wirklich ganz interessante Erfahrungen beschrieben. Es geht ja auch um eine Art der Selbsterkenntnis, es geht darum, sich besser kennenzulernen — das sind zumindest Sachen, die immer wieder angeführt worden sind. Oder es geht darum, besonders sensible, magische, feine Momente zu erleben und zu spüren und in diesen Zuständen eine Art Erkenntnisgewinn zu erlangen. Einiges, was mir dabei erzählt worden ist, fand ich durchaus interessant — dieses Thema der Selbsterkenntnis, eigene Grenzen verlegen und sich dadurch besser verstehen.
Auf der anderen Seite erschienen mir diese Rauschzustände vor allem immer als etwas Künstliches. Ich muss etwas nehmen, um in einen bestimmten Zustand zu kommen. Dieser Zustand hält dann eine Weile an, ich kann ihn auch nicht kontrollieren, und irgendwann lässt er wieder nach, und ich bin in meinem alten Ich wieder drin und habe vielleicht noch die Nachwirkungen dieses Rausches. Das war für mich immer ein wichtiges Kriterium: Ich kann diesen Zustand nicht natürlich erreichen, sondern brauche eben eine Droge dafür. Und das erschien mir immer ein bisschen ein falsches Spiel zu sein.
Ein ganz anderer Punkt, den ich interessant finde und der mir auch einiges über mich selber beigebracht hat, ist aber vielmehr, dass ich in solche Zustände auf einem natürlichen Weg kommen kann — oder teilweise auch darin lebe. Ich habe ein unglaublich feines und sensibles Gespür. Es kann sein, dass der Wind und die Sonne am Meer mich in ein bestimmtes Empfinden versetzen. Es kann sein, dass ich Menschen sehe und mein Gehirn automatisch Geschichten oder Verständnis für diese Menschen entwickelt — ein Verständnis, das häufig zutreffend ist. Oder es führt mich in Geschichten und in fantasierte Welten hinein.
Ich habe viele Jahre lang Geschichten und auch Romane geschrieben und mache das auch immer noch. Das war für mich eben auch ein Weg, mit dieser Kreativität umzugehen.
Und was für mich der interessante Aspekt ist: Ich habe mir häufig nicht einen Knopf gewünscht, mit dem ich das anschalten kann — dieses feine Gespür, dieses Empfinden, dieses auf eine magische Reise gehen, sich in einer Welt, in einer Betrachtung zu verlieren, dabei über sich selber zu reflektieren und zu lernen. Sondern ich habe mir öfter mal einen Knopf gewünscht, mit dem ich das ausschalten kann. Wo ich nicht hineingehe in diese magischen, fantastischen, träumerischen und doch irgendwo auch realen Welten, sondern wo ich herauskommen kann. Wo ich etwas Ruhe habe — Ruhe von den feinen Empfindungen, von den Ideen, von den Fantasien.
Und deswegen wäre meine Droge wahrscheinlich etwas, das mich in einen normalen Zustand hineinbringt. In eine Gleichgültigkeit, in ein Weniger-Fühlen, in weniger Fantasien, in eine Ausgeglichenheit.
Und deswegen sind für mich Drogen uninteressant. Es hat mir eben beigebracht, dass ich doch auch ein Stück weit anders bin, dass mein Gehirn auf eine andere Weise funktioniert und ich mir dadurch wundervolle Weltenzustände und Erkenntnisse erschließen kann. Aber dass meine Droge mehr die Normalität wäre — die Monotonie, das Eintönige, das Langweilige, das Banale, das Bodenständige.