Hallo und herzlich willkommen zu Radio Wonderboy. Ich bin nie ein wirklich guter Schüler gewesen — zumindest bis zum Abitur hin nicht — und habe es teilweise regelrecht gehasst, in die Schule zu gehen. Ich möchte heute ein bisschen darüber sprechen, woran das lag.
Ich erinnere mich: Mir war irgendwie klar, wenn ich mich hinsetze und lerne, dann weiß ich die Sachen und dann werde ich auch gute Noten schreiben. Insofern erschien mir das gar nicht erstrebenswert. Ich habe stattdessen möglichst wenig gelernt, weil ich das die eigentliche Herausforderung fand: Wenn ich gar nicht lerne, wie gut schneide ich dann ab? Das hat natürlich immer nur mittelgut funktioniert. Aber warum sich jemand gefreut hat, wenn er ganz viel gelernt hat und es dann logischerweise eine gute Note gab, fand ich nicht spannend. Das hat mich nicht gereizt. Ich fand meinen Weg ein bisschen interessanter — auch wenn er von den Lehrern nicht sonderlich honoriert wurde, und von meinen Eltern auch nicht.
Eine andere Sache, die ich gerne gemacht habe, war Diktate schreiben. Ich habe das aber auch ein bisschen anders gemacht als die anderen Schüler. Die haben sich nämlich immer bemüht, möglichst fehlerfrei alles aufzuschreiben. Ich hatte da zwei andere Ansätze.
Das eine war: Ich war ein sehr leidenschaftlicher Sportler, vor allem Fußball hat mir viel Spaß gemacht, oder Handball — überall da, wo man rennen konnte. Also habe ich mir gedacht, ich mache das wie beim Sport, wie beim Hundertmeterlauf: Ich versuche, der Schnellste zu sein. Also habe ich meine Diktate so schnell wie möglich geschrieben und war dann immer ganz happy, wenn ich meinen Stift hingelegt habe und schon fertig war. Dass ich am Ende immer das Blatt wiederbekommen habe, mit sehr viel Rot und einem Tadel von meinem Lehrer, hat mich jetzt nicht so ganz überzeugt. Ich dachte, es ging darum, der Erste zu sein.
Später bin ich die Diktate dann anders angegangen. Und zwar habe ich den Anfang des Diktats aufgenommen und daraus meine eigene Geschichte geschrieben. Kreativ, wie ich war, und mit den Ideen, die ich hatte, fiel mir das sehr leicht. Und tatsächlich habe ich dafür dann doch ein etwas besseres Feedback von meinem Lehrer bekommen: Der hat nämlich die Geschichten immer mal wieder vor der Klasse vorgelesen. Manche waren lustig, manche ein bisschen nachdenklich, manche spannend, manche gruselig. Und die eine oder andere Geschichte wurde tatsächlich sogar in der Klasse aufgehängt. Meinen Deutschnoten hat das trotzdem nicht sehr viel genutzt, muss ich dazu sagen.
Ja, das waren so meine anfänglichen Struggles mit der Schule. Später wurde es nicht besser. Ich hatte einfach immer das Gefühl: Das, was mir die Schule beibringen möchte, ist nicht das, was ich brauche. Meine Lebensziele, mein Charakter, meine Vorstellung davon, wie man leben sollte — das hat irgendwie nicht gepasst. Das hat mir nichts gegeben, und ich habe es nicht verstanden. Warum soll ich diese ganzen Sachen lernen und pauken? Und diese Vision von dem Menschen, der ich sein möchte — der freiheitsliebend war, der für Gerechtigkeit eintreten wollte, der sich um menschliches Miteinander bemüht hat, dem Sport wichtig war, oder auch Tiere und die Natur. Da habe ich mir gedacht: Was ich hier lerne, das bringt mich nicht zu mir selbst.
Und dann bin ich dazu gekommen, dass ich teilweise kaum noch in die Schule gegangen bin. Einfach gefehlt habe. Ich habe meine Hausaufgaben nicht gemacht. Das war natürlich ein Kreislauf, der immer weiter nach unten ging. Irgendwann kam ich seltener, mit schlechtem Gewissen, dann gab es viele unangenehme Gespräche — und nach unangenehmen Gesprächen ist man natürlich nicht lieber in die Schule gegangen. So war das eine ziemlich düstere Zeit, muss ich sagen.
Rausgekommen bin ich da nur dadurch, dass ich für mich ein Ziel in meinem Leben gefunden habe. Das war damals die Vision, mit Pferden und der Natur zu arbeiten und auch Geschichten zu schreiben — das waren meine beiden Hobbys. Die Entwicklung vom Menschen, die Entwicklung in der Reitkunst, die mich damals fasziniert hat, und die Gedanken und Konzepte darum: Das hat mir eine Motivation gegeben.
Und ich hatte dann auch Glück, dass ein paar gute Menschen in mein Leben gespült wurden, die mich unterstützt und gefördert haben. Und dann ist es mir zum Ende hin gelungen, tatsächlich gute Noten zu schreiben und ein sehr gutes Abi zu machen. Dafür bin ich im Nachhinein dankbar — insbesondere den Menschen, die an mich geglaubt haben und die es auch geschafft haben, dass ich eine Vision für mich gefunden habe.
Und natürlich hat mir das Abitur und das geweckte Interesse dann viele, viele Türen aufgestoßen. Und auch wenn ich manche Träume nur temporär verfolgt habe, habe ich doch meine Leidenschaft entdeckt für das Thema Menschen und menschliche Entwicklung. Und ich habe ein bisschen verstanden: Manche Sachen muss man halt einfach auch mal durchziehen.