Herzlich willkommen zu Radio Wonderboy. Heute möchte ich mit dir über das Schicksal und das Leben sprechen. Es gibt eine schöne Formulierung, die lautet ungefähr folgendermaßen: Das Schicksal schreibt gerade in krummen Linien.
Ich fand das immer eine sehr schöne Aussage, und wenn ich auf mein eigenes Leben schaue, fand ich die immer recht zutreffend. Manchmal geschehen Dinge im Leben, die man sich in dem Moment nicht erklären kann — aber später, wenn alle Puzzleteile zusammenkommen, sieht man auf einmal das große Ganze und sieht, wie die einzelnen Teile auf den richtigen Platz gefallen sind.
Ich möchte dich inspirieren. Vielleicht stehst du momentan selber in so einer Situation oder an einer Weggabel und denkst dir: Wo schiebt das Schicksal mich gerade hin? Und ich möchte jetzt nicht behaupten, dass man sich einfach vom Schicksal schieben lassen sollte. Manchmal muss man auch sagen: Hey Schicksal, lass mich in Ruhe, ich will jetzt meinen Weg gehen. Und das ist dann auch richtig. Aber manchmal ist es eben auch so, dass man — wenn das Schicksal zu Ende geschrieben hat und man mit etwas Abstand die Schrift liest — auf einmal versteht, was es einem hatte sagen wollen.
Meine persönliche Geschichte war ein bisschen so. Ich wollte nach dem Abitur gerne ins Ausland gehen, habe mich dann an verschiedenen Universitäten beworben und mich für die Niederlande entschieden. Die hatten ein sehr gutes Bildungssystem, sehr gute Universitäten. Ich bin dann tatsächlich in den Niederlanden gelandet, habe mich dort auf die Uni vorbereitet, angefangen, Jura zu studieren, habe Niederländisch gelernt und hatte da eine sehr schöne Zeit. Ich hatte auch keine Zweifel an meinem Studium, an meinem Weg.
Ich habe dann nur für mich gesagt: Ich möchte wieder zurückgehen nach Deutschland, weil man sich mit Jura eben auch stark auf ein Land festlegt. Und hab das dann auch gemacht. Als ich dann wieder in Deutschland war, hatte ich kein Glück mit meinem Jurastudium. Das hat mir keinen Spaß mehr gemacht, ich hatte keine guten Noten, und ich kam irgendwie gar nicht voran.
Ich habe mich dann dafür entschieden — nach einer Zwölf-Punkte-Klausur, also einer sehr guten Klausur — Jura nicht abzubrechen, aber nicht auf Staatsexamen weiterzustudieren, sondern stattdessen Literatur und Philosophie hinzuzunehmen. Und ich weiß noch, als ich zur Studienberatung gegangen bin, haben die damals zu mir gesagt: Na ja, Sie dürfen aber nicht glauben, dass Sie damit mal einen Job finden. Das war natürlich sehr erbaulich und genau das, was ich in dem Moment hören wollte.
Na ja, ich hab es dann trotzdem gemacht und meinen Abschluss gemacht. Und das Jurastudium hat mir dann tatsächlich den Weg in den HR-Bereich geöffnet, wo ich zehn Jahre lang tätig war und viel Spaß hatte — auch Spaß am Jurastudium: Gerichtsverhandlungen führen dürfen, Verträge verhandelt. Das war wirklich interessant. Und ich bin dort eben auch mit dem Thema Personalentwicklung in Kontakt gekommen und habe bemerkt, dass das sehr gut anknüpft an meine philosophischen und literaturwissenschaftlichen Studien. Ich habe gemerkt, dass vieles, was ich mit meinen Kommilitonen während der Studienzeit besprochen habe, sich auch im Coaching wiederfindet.
Und als ich mir dann irgendwann überlegt habe: Gehe ich meine Karriere weiter im HR-Bereich oder mache ich noch mal was anderes — und mich dafür entschieden habe, Coach zu werden, habe ich eben gesehen, dass ich auf ganz viele von den Konzepten zurückgreifen konnte, die ich im Studium entwickelt habe. Meine Magisterarbeit, meine Doktorarbeit verwende ich heute als Coaching-Grundsätze, die ich ausgearbeitet habe.
Und auch wenn es eine lange Reise war, musste ich dann doch am Ende sehen: Aha, die verschiedenen schiefen Linien haben sich am Ende zu einer großen, geraden Einheit zusammengefügt. Und auch wenn ich es zwischendurch manchmal nicht verstanden habe, was das Schicksal jetzt von mir wollte — ich kann jetzt zurücktreten und sagen: Ah, jetzt ergibt es Sinn. Ich kann die Schrift lesen, und ich kann die Schrift verstehen.
Und wie gesagt: Vielleicht geht es dir ja momentan ähnlich, und du bist in einer ähnlichen Situation. Manchmal ist es am besten, wenn der Wind weht, die Segel aufzustellen und zu segeln. Und dann, wenn man zurückblickt, wird man die Spur und die Schrift lesen können.