Hallo und herzlich willkommen zu Radio Wonderboy. Manchmal — ja, manchmal wünsche ich mir, ich würde einfach normal sein. Das ist wenigstens das, was ich mir in solchen Momenten sage. Und ich versuche, es dir ein bisschen besser zu erklären.
Da denke ich mir: Warum sehe ich die Sachen immer so anders? Warum fällt mir immer etwas auf, was anderen nicht auffällt? Warum fällt mir immer etwas auf, was andere scheinbar ganz kalt und unberührt lässt? Warum empfinde ich immer so tief? Warum bin ich so sensibel? Warum nehmen mich manche Sachen so mit? Warum machen sie mich so traurig und glücklich und nachdenklich und zögerlich und entschlossen? Und warum ist es immer so ein Auf und Ab der Gefühle?
Und warum brauche ich immer die Leidenschaft? Warum brauche ich immer die Begeisterung? Warum brauche ich immer die Herausforderung? Warum suche ich immer nach dem nächsten Gipfel? Und warum kann ich davon nicht genug kriegen? Und warum kommt nie diese Sättigung, wo ich sage: Ach, jetzt ist es so, wie es sein sollte, und so sollte es doch einfach auch bleiben dürfen. Warum breche ich dann wieder auf und suche etwas Neues? Warum mache ich mich wieder auf die Reise? Warum bin ich bereit, das zu riskieren, was ich mir erarbeitet habe — weil ich irgendwie glaube, das kann es doch noch nicht gewesen sein?
Und dann schaue ich manchmal um mich herum. Wenn ich in der U-Bahn sitze, wenn ich mit dem Auto durch die Straßen fahre, sehe ich die kleinen gepflegten Häuser, die Gärten, die Menschen, die auf einer Bank sitzen, im Auto sitzen, ihre Einkäufe machen, irgendwelchen banalen Dingen nachgehen — und auf eine gewisse Art und Weise ganz glücklich und fröhlich dabei zu sein scheinen. Und dann denke ich mir: Wie wäre so ein Leben? Du hast deinen Beruf, du gehst dahin. Du hast deine Familie. Du hast deine Sachen. Und irgendwie erscheint es mir dann ganz weit weg und unerreichbar und schön.
Und dann gibt es wieder die anderen Momente, wo ich mir denke: Normal sein — ist das nicht eigentlich das Schlimmste, was es gibt? Ist es nicht genau so, dass du dich dann eben abfinden würdest mit den Sachen, wie sie sind? Und ich meine das nicht negativ oder herablassend. Aber es würde dich eben nicht so bewegen. Es würde dich nicht die Wellen des Lebens immer weiter treiben und inspirieren. Und du würdest irgendwie einfach angekommen sein und ein Stück weit festgefahren — im positiven Sinne Wurzeln geschlagen haben.
Aber auf der anderen Seite bin ich eben doch dann auch wieder ein Vogel. Ein Vogel, der weiterfliegt, der in den Süden fliegt, der sich ein Nest baut — aber ein Nest eben für eine Weile, und dann wieder zum nächsten Baum aufbricht. Und in diesem Aufbruch ist immer auch ein bisschen Schmerz dabei: etwas hinter sich lassen, etwas, was einem lieb geworden ist, eben auch wieder zu verlassen. Es ist also nicht die reine Lust am Neuen, aber es ist eben dieser Puls der permanenten Entwicklung und der permanenten Inspiration, die mich begleitet.
Ja, und dann denke ich mir wieder: Sei froh, dass du nicht einfach nur normal bist. Auch wenn ich das manchmal den Menschen neide. Und wenn ich es ihnen gönne und wenn ich glaube, sie finden eben ihr Glück darin — so bin ich mir doch sicher, dass ich meines darin nicht finden würde.