Hallo und herzlich willkommen zu Radio Wonderboy. Ich erinnere mich noch daran, es ist inzwischen schon einige Jahre her, so damals in den Anfangszeiten von Social Media: Da habe ich über das Internet eine Frau kennengelernt, die gut einige hundert Kilometer von mir entfernt gewohnt hat.
Wir haben angefangen zu schreiben, und wie das damals so ging, das Schreiben wurde dann immer intensiver. Und man hat irgendwie gemerkt: Mensch, in diesen Nachrichten, da steckt was. Eine Idee, ein Gedanke, eine Betrachtung. Man hat so gemerkt, wie man mit immer mehr Herzklopfen an den Computer gegangen ist, wenn wieder eine Benachrichtigung da war, dass man eine neue Nachricht erhalten hatte.
Aus diesen Nachrichten wurden schließlich Telefonate, und aus diesen ersten kurzen Telefonaten wurden schließlich Stunden. Ich erinnere mich noch daran: Damals ist mein Telefon immer nach zwei Stunden ausgegangen — scheinbar so eine automatische Vorrichtung, damit es nicht zu teuer wird. Und wir haben gut dreimal diese Zeitspanne gerissen, bis wir irgendwann mitten in der Nacht uns dazu entschieden haben, aufzulegen.
So ging das ein paar Tage, und irgendwie war klar: Ja, wir wollen uns auch sehen, und wir wollen uns natürlich auch kennenlernen. Und ich erinnere mich da dran — ich hatte damals an einer Textwerkstatt in Darmstadt teilgenommen und war bei meinen Eltern, die dort in der Nähe gewohnt haben. Morgens, es war recht frisch, habe ich geduscht und dann, ohne mir die Haare abzutrocknen, die Zugreise nach Hause angetreten.
Das hat mir allerdings nicht so gut bekommen, und ich habe gemerkt, wie ich mich so kühl und kränklich fühlte. Aber der Flug in die Stadt jener Frau war schon gebucht. Meine Begeisterung und meine Ungeduld, sie zu sehen, war auch sehr groß, und das Gefühl, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, hat mich ebenfalls darin bestärkt, die Reise nicht zu verschieben, sondern anzutreten.
Ich erinnere mich dann dran: Ich habe fleißig Aspirin genommen, damit ich mich zum Flughafen schleppen konnte, und habe mir gedacht, na ja gut, wenn du erst mal da bist, dann wird es schon werden. Und der Flieger ist dann abgehoben und hat mich mitgenommen in meine Träume, in meine Hoffnungen, in eine vielleicht sehr schöne Zukunft.
Der Flieger ist dann gelandet. Ich erinnere mich noch dran, wie ich dann ins Taxi gestiegen bin — es war schon dunkel — und dem Taxifahrer gesagt habe, er soll doch noch mal anhalten. Ich hatte da nämlich einen Blumenladen gesehen und hab mir gedacht: Mensch, mach es richtig. Ich habe also einen Strauß Rosen gekauft, bin dann mit klopfendem Herzen zur Haustür gegangen, habe geklingelt, bin die Treppen empor gestiegen und stand dann da mit meinem Rosenstrauß.
Und irgendwie, als die Tür aufging, wusste ich: Von ihrer Seite ist es nicht so, wie sie sich das vielleicht vorgestellt hat. Ich weiß es nicht genau. Aber irgendwie hatte ich so ein Gefühl. Und na ja, in bester Form war ich auch nicht. Wir haben uns zwar schön bei einem Glas Wein unterhalten, aber ich habe irgendwie gemerkt: Ja, so ganz in die Richtung, wie ich mir das vorgestellt habe, läuft es nicht.
Und gleichzeitig hat sich mein Körper gemeldet. Ich bin dann ins Badezimmer gegangen, habe ein paar Aspirin genommen, erinnere mich noch da dran, wie ich mich kurz rasiert habe, weil ich ein paar Stoppeln hatte, mich dann auch noch geschnitten habe — und mit dem Aspirin lief das Blut dann auch ziemlich fleißig und tropfte auf mein Hemd, das ich mir als Student extra gekauft und angezogen hatte. Und das war irgendwie das Motto des ganzen Abends und irgendwie auch des nächsten Tages.
Na ja, und als ich dann nicht am Flughafen stand, sondern am Bahnhof und zurückgereist bin zu meiner Studentenstadt — da war das eine sehr lange und schwere Reise. Und ich wusste irgendwie: Alles ist jetzt weg. Die Telefonate, die E-Mails, die Gespräche, das Gefühl. Und das war natürlich sehr schwierig für mich.
Ich habe dann mit ein paar Freunden gesprochen, und die haben mir ein bisschen Trost gegeben. Aber erst mal bin ich richtig krank geworden. Und ich erinnere mich noch da dran, dass ich so einen Fiebertraum hatte. Und in diesem Fiebertraum habe ich sie noch mal gesehen und mit ihr gesprochen, so wie wir am Telefon gesprochen haben. Und in diesem Traum hat sie dann zu mir gesagt: Weißt du, mit uns, das wäre einfach perfekt gewesen — aber es muss immer auch ein bisschen kompliziert sein.