Hallo und herzlich willkommen zu Radio Wonderboy. Heute möchte ich mit dir über den Tod sprechen. Denn seitdem ich klein bin, habe ich geradezu eine panische Angst bei dem Gedanken, irgendwann zu sterben. Es ist ganz sonderbar, und es begleitet mich immer wieder, und ich habe öfter darüber reflektiert.
Ich denke, dieses Gefühl ist wahrscheinlich den meisten Menschen vertraut. Aber irgendwie scheint es mich besonders hartnäckig zu begleiten. Diese Vorstellung: Irgendwann ist man nicht mehr. Irgendwann ist nichts mehr. Irgendwann ist alles weg. Das kann mich sehr beunruhigen, und es kann mich auch über längere Zeiträume in einen Zustand bringen, in dem ich sehr orientierungslos bin und — um ganz ehrlich zu sein — teilweise auch Angst habe. Eine irrationale Angst, irgendwo, aber eine Angst, die doch immer da ist.
Und dann gibt es Zeiten, in denen ich versuche, gegen diese Angst anzukämpfen. Meine Erfahrung mit Ängsten ist: Je mehr man gegen sie ankämpft, umso größer wird die Angst. Und dann gibt es andere Zeiten, in denen ich mich von dieser Angst mehr treiben und inspirieren lasse und versuche, dadurch mein Leben bewusster zu leben — denn unser Leben ist nun mal einmalig, und unser Leben ist auch endlich.
Aber ich möchte über eine andere Sache sprechen, die mir aufgefallen ist und die von einer anderen Seite auf dieselbe Thematik schaut. Wenn ich besonders schöne Momente erlebt habe — wenn ich zum Beispiel einen Coachingkunden begleite und das Coaching wirklich gut funktioniert und wir vorankommen —, dann freue ich mich schon mit einer Begeisterung auf die nächste Stunde. Oder wenn ich eine Geschichte geschrieben habe und die Geschichte ist abgeschlossen, dann habe ich eine Art Ungeduld, eine Freude über diese Geschichte, und kann es gar nicht erwarten, sie jemandem zu zeigen, vorzulesen, mitzugeben. Oder ich treffe einen besonderen Menschen, man baut eine besondere Beziehung auf, und dann habe ich wieder diese Ungeduld und diese Freude, diesen Menschen sobald wie möglich wiederzutreffen.
Es gab das auch im Sport, sogar relativ häufig im Sport. Wenn ich zum Beispiel American Football gespielt habe und wir trainiert haben, dann habe ich mit einer Begeisterung dem nächsten Training entgegengeblickt — und dann waren diese ganzen Ängste, die ganzen Sorgen um die Endlichkeit, um die Sterblichkeit, diese ganze Angst rund um den Tod verschwunden und vergessen.
Und das hat mir immer gezeigt: Ich brauche irgendwie einen Sinn in meinem Leben, und dieser Sinn ist das, was den Tod übersteigt. Transzendiert, wenn man so sagen möchte.
Und das sind Momente, in denen ich eine ganz andere Ungeduld empfinde — und eine ganz andere Angst vor dem Tod. Dann geht es mir so, dass ich manchmal daran denke: Was wäre jetzt, wenn ich sterben würde und ich würde diesen Menschen nicht mehr treffen? Ich würde meine Geschichte nicht mehr vorlesen können. Ich würde meine nächste Folge Radio Wonderboy nicht mehr hochladen können. Ich würde nicht mehr mit meinen Freunden trainieren können. Ich würde dieses oder jenes nicht mehr machen können.
Und diese Angst hat überhaupt keinen Schrecken mehr. Sie ist voll mit Liebe und Begeisterung, und sie kommt aus einem Lebensgefühl, das erfüllt ist — das quasi schon überzusprudeln scheint. Und dann sind diese Ängste und Sorgen verschwunden. Was bleibt, ist diese Dankbarkeit, dass ich überhaupt leben darf, dass ich solche Momente erleben und spüren darf. Und das sind die Momente, für die ich lebe und die ich anstrebe.