RADIO WONDERBOY
97,8 · LIFE

Leichter, die Welt zu ändern

Ich habe meinen Glanz irgendwo verloren.
6:28 MINUTEN

Hallo und herzlich willkommen zu Radio Wonderboy. Ich sage immer: Es ist viel leichter, die Welt zu ändern, als dich selbst. Lass mich dir erklären, was ich damit meine.

Diese Welt ist so facettenreich, so wundervoll und hat so viele unterschiedliche Aspekte, dass es auf jeden Fall auch einen Platz für dich gibt, in den du hineinpasst — genauso, wie du bist, mit genau den Attributen, Eigenschaften, Ideen und Leidenschaften, Gefühlen, Zweifeln und Hoffnungen, die du mitbringst. Und das macht diese Welt so wundervoll, auch wenn sie manchmal sehr kühl und auch grausam sein kann. Das möchte ich gar nicht in Zweifel stellen.

Aber gerade um das eigene Schöne in dieser Welt zu finden, den eigenen Platz zu finden, wo es Klick macht und wo man das Gefühl hat: Hier gehöre ich hin, hier passe ich rein, hier kann ich ich sein — gerade dafür ist es viel wichtiger, erst einmal auf sich selbst zu schauen und sich selbst zu entdecken. Das übermäßige An-sich-Feilen und -Schleifen, das Sich-verändern-Wollen, halte ich für nicht richtig. Es geht darum zu gucken: Wer bin ich wirklich? Was macht mich aus? Was sind meine Ecken und Kanten? Was sind meine Träume und Ideen? Und dann zu schauen: Wo in dieser Welt gibt es meinen Platz? Und den wirst du bestimmt finden.

Für manche Leute ist dieser Platz ganz einfach zu finden, er ist schnell und naheliegend, und sie erreichen ihre Ziele relativ rasch. Für andere ist es ein längerer Weg — aber vielleicht dann manchmal auch ein umso lohnenswerterer.

Lass mich dir ein paar Beispiele geben. Wenn du sagen würdest: Ich möchte gerne schreiben, ich möchte Schriftsteller sein — allein im Bereich des Schreibens gibt es so viele Möglichkeiten. Ob du Romane schreibst, ist schon mal ein Ansatzpunkt. Und ob du dann historische Romane schreibst oder literarisch besonders wertvolle, künstlerisch anspruchsvolle, oder Unterhaltungsromane, ist schon wieder ein anderer. Ob du Gedichte und Lyrik schreibst, wäre ein ganz anderer Aspekt. Ob du Dramen schreibst, Komödien, ob du Blogs schreibst, ob du Instagram-Beiträge verfasst, ob du deine eigene Webseite hast, ob du Copywriting für andere Leute machst, ob du Verkaufstexte schreibst — das alles kann deine Leidenschaft zum Schreiben zum Ausdruck bringen, kann deine Talente in den Vordergrund bringen, und ist doch jedes Mal etwas ganz anderes.

Deswegen halte ich es für so unglaublich wichtig, sich nicht im Vorfeld festzulegen: Ich möchte Autor sein. Ich möchte Gedichte schreiben. Ich möchte Dramen schreiben. Ich möchte Drehbücher schreiben. Sondern dass du dich wirklich von dir selbst lenken lässt und sagst: Ja, ich habe eine Leidenschaft, zum Beispiel für das Schreiben. Aber ich enge mich nicht ein, sondern ich erlaube mir, meinen eigenen Weg zu finden. Und vielleicht entwickle ich sogar ein eigenes, ein neues Genre.

Ich spreche da auch aus eigener Erfahrung. Mir wurde immer nachgesagt, ich wäre etwas chaotisch, wenig strukturiert. Und dann habe ich mich für ein Jurastudium entschieden — gerade weil ich auch die Leidenschaft für die Sprache hatte. Aber ich habe gemerkt: Das war wie ein Gefängnis für mich. Es hat mich eingeengt, es hat mich erdrückt, und ich habe meinen Glanz, meine Begeisterung, meine Magie irgendwo verloren. Weil ich so stark über meine vermeintlichen Schwächen gehen wollte — und darüber habe ich meine Stärken eingebüßt.

Und erst als ich begonnen habe zu sagen: Schau auf dich, was du mitbringst. Ja, du siehst die Welt ein wenig anders. Ja, du bist manchmal impulsiv, chaotisch, unstrukturiert. Aber du hast auch diese Gabe, eine Verbindung zu Menschen herzustellen. Du kannst improvisieren. Du kannst kreativ sein. Du lässt dich nicht unterkriegen, und du kannst aus dem Nichts wieder etwas Neues entstehen lassen — zunächst als Vision, aber dir gelingt es auch, das Ganze in die Wirklichkeit zu übersetzen und Sachen aufzubauen.

Insofern möchte ich dir gerne diese eine Sache mitgeben: Wenn du mal zweifelst, denk immer daran — es gibt deinen Platz in dieser Welt, und es ist viel, viel leichter, die Welt zu ändern, als dich selbst.

Und du solltest dich auch gar nicht ändern, sondern dich weiterentwickeln und an dir arbeiten. Das ist ein Punkt, den ich zum Ende unbedingt noch mitgeben möchte: Man darf daraus nicht ableiten — ich bin, wie ich bin, und dann überlasse ich mich einfach mir selbst und dem Schicksal. Natürlich musst du auch erkennen: Was sind meine Stärken? Was kann ich gut? Und woran muss ich feilen, was muss ich verbessern?

Und das ist eigentlich das Schöne: wenn man diesen Weg erkennt und merkt, das ist meins — und ich fühle, ich bin noch nicht ganz da, und vielleicht werde ich nie ganz da sein. Aber immer wieder diesen Weg, der eben mein Weg ist, weiterzugehen: zu straucheln, hinzufallen, wieder aufzustehen, nachzudenken, zu reflektieren, an mir zu arbeiten, mich zu verbessern, Feedback von anderen zu holen — und bei dem Ganzen mir treu zu bleiben. Das ist irgendwie das Geheimnis für einen erfüllten Weg.

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